
Indonesien-Projekt
Im Bezirk Bantul leben rund 800.000 Menschen. Lediglich zehn Prozent der Haushalte sind in irgendeiner Form an die öffentliche Wasserversorgung angeschlossen. In Depok sind es immerhin 17 Prozent der 1,7 Millionen Einwohner, für die das Wasser aus der Leitung kommt. Die überwiegende Bevölkerung versorgt sich in der Regel aus Hausbrunnen oder muss teures Flaschenwasser kaufen. Die Verlustrate der maroden Leitungssysteme liegt zwischen 30 und 40 Prozent. Mehr als ein Drittel des Wassers versickert also durch zahllose Lecks im Boden. Zum Vergleich: In Deutschland werden die Haushalte fast flächendeckend mit frischem Trinkwasser versorgt, der Verlust liegt in der Regel deutlich unter zehn Prozent.
Ein zentrales Problem der Wasserwirtschaft in Indonesien ist die schlechte Qualität der Flusswässer, die überwiegend als Trinkwasserressource dienen. Da keine Abwasserbehandlung existiert, sind die Flüsse stark mit Abfallstoffen aus Haushalten und Industriebetrieben belastet. Das Trinkwasser wird zwar aufbereitet, viele Anlagen arbeiten jedoch unzureichend. Insbesondere die Verschmutzung durch so genannte coliforme Keime stellen eine Gesundheitsgefahr dar und sind eine der Hauptursachen für die hohe Kindersterblichkeit. Trinkwasser in Indonesien ist für Menschen nur abgekocht genießbar.
Das Indonesien-Projekt ist zunächst auf drei Jahre angelegt. Nach der Bestandsaufnahme steht nun die Hilfe zur Selbsthilfe im Vordergrund. Es gilt vor allem, Wissen zu vermitteln, wie die Wasserversorgung verbessert werden kann. Daher arbeitet das TZW mit der Universitas Indonesia in Depok und Universitas Islam Indonesia in Yogjakarta nahe Bantul zusammen. Dr. Jutta Eggers vom TZW und Dr. Stefan Stauder, der das Projekt initiiert hat, halten Vorlesungen für angehende Umweltingenieure und bilden technisches Personal der kommunalen Wasserversorger weiter. Sie lehren Grundlagen der Wasserchemie und -analytik und vermitteln im Rahmen praktischer Übungen, wie einfache Analysemethoden, beispielsweise Trübungsmessungen, funktionieren. Für die Anschaffung von Geräten beispielsweise zur Wasseranalytik oder Leckage-Ortung sowie für die Sanierung maroder Aufbereitungsanlagen ist finanzielle Unterstützung vorgesehen.
Die Spezialisten aus Karlsruhe stehen dabei den indonesischen Wasserversorgern als Berater zur Seite und koordinieren die Verwendung der Finanzmittel. In Depok und Bantul müssen beispielsweise in verschiedenen Anlagen Aufbau und Betrieb der Wasserfilter modifiziert sowie die Chlor-Dosieranlagen optimiert beziehungsweise Instand gesetzt werden. In Zusammenarbeit mit den Universitäten erfolgen dabei über längere Zeiträume begleitende Analysen an Roh- und Reinwässern. Das TZW dokumentiert damit den Erfolg der Maßnahmen und liefert zugleich Referenzwerte für andere Wasserversorger in Indonesien. Auf Anfrage der Stadt Depok untersucht das TZW darüber hinaus die von einem Krankenhaus genutzten Brunnenwässer. Auf dieser Basis soll ein Aufbereitungskonzept erarbeitet und die Umsetzung der Maßnahmen zur Verbesserung von Wasserqualität und -versorgung begleitet werden.
